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Geschichte der Bibliothek

Bibliotheksleiter Heinrich Joachim Jaeck (1777-1847).

Die Wurzeln der Staatsbibliothek Bamberg liegen in der Säkularisation 1802/03, während der die Klöster und geistlichen Stifte des Hochstifts Bamberg und die Universität aufgelöst wurden. Die Buchbestände dieser Einrichtungen wurden in einer eigens gegründeten regionalen Bibliothek zusammengeführt, deren Name im Laufe der Zeit wechselte: zunächst hieß sie Kurfürstliche, ab 1806 Königliche, ab 1918 Staatliche Bibliothek und seit 1966 Staatsbibliothek Bamberg. Wenige herausragende Stücke aus dem Besitz des ehemaligen Hochstifts – darunter das Perikopenbuch Heinrichs II., das Evangeliar Ottos III. und der sogenannte Heliand – wurden jedoch nicht in die Bamberger Bibliothek, sondern in die damalige Hofbibliothek München (jetzt Bayerische Staatsbibliothek) überführt, wo sie noch heute aufbewahrt werden.

Erste Heimat wurde das Kollegienhaus der Jesuiten inmitten der Bamberger Inselstadt, die heutige Teilbibliothek 1 der Universitätsbibliothek Bamberg. Der erste Bibliotheksleiter Heinrich Joachim Jaeck (1777-1847), ein ehemaliger Zisterzienser aus dem Kloster Langheim, formte energisch und streitbar die in Bamberg zusammenströmenden Büchermassen zu einer benutzbaren Sammlung. Da die Bibliothek zunächst keinen Erwerbungsetat hatte, war sie zur Erweiterung ihrer Bestände auf die Einnahmen aus Dublettenverkäufen und Schenkungen angewiesen.

Die Jahre 1874-1924 markieren eine Periode der Konsolidierung. Der Bibliotheksleiter Friedrich Leitschuh (1874-1898) begann mit der Veröffentlichung des Handschriftenkatalogs, den dann sein Mitarbeiter und Nachfolger Hans Fischer (1898-1924) in einer heute noch als vorbildlich geltenden Form vollendete.

Eine durch Personal- und Geldmangel bedingte Stagnation in der Zeit vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg endete, als sich der Freistaat Bayern nach 1948 entschieden auch der Bibliotheken in der Provinz annahm. Unter den Vorständen Curt Höfner (1946-1953) und Alois Fauser (1953-1958) wurde die Bibliothek kräftig belebt, der Stellenplan im einfachen bis gehobenen Dienst vermehrt.

Im Jahr 1965 zog die Bibliothek aufgrund eklatanten Platzmangels in die Neue Residenz auf dem Domberg um. Überhaupt kam es unter Fridolin Dressler (1958-1967) zu einer grundlegenden Reorganisation und Modernisierung der Staatsbibliothek. Dressler legte außerdem das Spezialsammelgebiet E.T.A. Hoffmann fest und baute es deutlich aus.

Seit 1987 erhält die Staatsbibliothek Bamberg die oberfränkischen Pflichtexemplare, d.h. jeder Verleger in Oberfranken ist gesetzlich verpflichtet, ihr seine Publikation in mindestens einem Exemplar zu Dokumentations- und Archivierungszwecken kostenlos zur Verfügung zu stellen.

 

Handschriften und Inkunabeln

Bärtiger Herrscher, flankiert von zwei Erzbischöfen. Salzburg (?), um 1020 (Msc.Lit.53, fol. 2v).

Die Staatsbibliothek verwahrt heute insgesamt 6.200 Handschriften, darunter 1.000 mittelalterliche Codices und Fragmente. Strahlender Mittelpunkt sind diejenigen Handschriften, mit denen Kaiser Heinrich II. das von ihm im Jahr 1007 gegründete Bamberger Bistum großzügig ausgestattet hatte und die infolge der Säkularisierung in die Staatsbibliothek gelangten. Sie sind ein Spiegel der um die Jahrtausendwende blühenden Buchmalerei und der Wissenschaft dieser Zeit. Zwei dieser Handschriften wurden 2003 ins UNESCO-Register „Memory of the World“ aufgenommen: die Bamberger Apokalypse und der Kommentar zum Hohen Lied und zum Buch Daniel, beides Miniaturhandschriften vom Skriptorium des Klosters auf der Insel Reichenau.

Weniger prächtig, dafür aber deutlich älter sind die ältesten Schriftzeugnisse der Bamberger Handschriftensammlung: mehrere Pergamentfragmente eines Livius-Textes, die auf das 5. Jahrhundert datiert werden.

Die Domschule erwarb schon im ersten Jahrhundert ihres Bestehens hohen Rang. In ihrem Umkreis sammelten sich Handschriften, die noch heute Bamberg nicht zuletzt für die internationale Kanonistikforschung und Latinistik unentbehrlich machen.

Die Benediktinerabtei auf dem Michelsberg mit einer durch alte Kataloge belegten herausragenden Bibliothekstradition besaß ein besonders im 12. Jahrhundert, nach der Reform durch Bischof Otto den Heiligen, leistungsfähiges Skriptorium. Ein besonders beeindruckender Beleg dafür ist der großzügig illuminierte Bamberger Psalter, der um 1235 in der Abtei Michelsberg entstanden ist.

Der früheste Buchdruck, ab 1460 mit Bamberg als zweitem Druckort nach Mainz eng verbunden, ist in der großen Inkunabelsammlung nur fragmentarisch vertreten, doch  bieten die 3.500 Wiegendrucke ein breites Spektrum aller namhaften Personen und Orte der Druckgeschichte des 15. Jahrhunderts.

 

Schenkungen des 19. Jahrhunderts

Joseph Heller (1798-1849), Bamberger Kunstsammler, Pionier der Dürer- und Cranachforschung und einer der größten Gönner der Staatsbibliothek Bamberg (V A 216 c).

Im 19. Jahrhundert wurde der Bestand der Staatsbibliothek durch eine beachtliche Zahl an Legaten bereichert, die oft separat aufgestellt wurden und daher noch heute in den Signaturen ihre Provenienz erkennen lassen:

Mit dem Bipontina-Bestand (Signaturbeginn „Bip.“) wurde 1807/08 ein wesentlicher Teil der Büchersammlung des wittelsbachischen Herzogs Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken (reg. 1775-1795) übernommen, eines Bruders des ersten bayerischen Königs Max I. Joseph. Die Hofbibliothek aus dem Schloss Karlsberg bei Homburg / Saar, in die unter anderem die Bibliothek des Zweibrücker Mediziners Johann Theophil Hoeffel (1704-1781) Eingang fand, ist mit heute 11.400 in Bamberg geschlossen aufgestellten Bänden ein auch durch die vorzüglichen Einbände ausgezeichneter Bestand. Der Schwerpunkt liegt auf französischer Literatur des 18. Jahrhunderts.

Ein weiterer beachtlicher Komplex, der in seiner Gesamtheit bis heute erkennbar ist, stellt die Sammlung Joseph Heller (Signaturbeginn „JH.“) dar. Joseph Heller (1798-1849) war ein früher, um die graphischen Künste sowie um Lucas Cranach d. Ä. und Albrecht Dürer verdienter Kunsthistoriker und Sammler und legte mit seinem Legat den Grundstock zur qualitativ und quantitativ beachtlichen Graphischen Sammlung der Staatsbibliothek. Darunter befindet sich ein umfassender, noch heute weiter geführter Bestand von Porträts und topographischen Blättern der Region (vor allem Fränkische Schweiz), ferner eine darauf abgestimmte Bibliothek von 6.000 Bänden.

Der Signaturbeginn „MvO.“ kennzeichnet den Nachlass Emil Marschalks von Ostheim (1841-1903), eines an genealogischen, heraldischen und lokalhistorischen Forschungen interessierten Freiherrn. Er birgt unter anderem eine Sammlung auch entlegener Kleinschriften zur Revolution von 1848 und wurde durch den 1912 publizierten Katalog weithin bekannt.

Leider in der allgemeinen Sammlung aufgegangen und nicht geschlossen aufgestellt sind die über 10.000 Bände des aus Bamberg stammenden königlich preußischen Leibarztes und Professors der Medizin Johann Lukas Schönlein (1793-1864). Ein Schwerpunkt dieser Schenkungen liegt auf geographischen Werken aus aller Welt.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Staatsbibliothek die wertvolle bibliophile Sammlung des Schotten Thomas Dempster Gordon geschenkt (geboren 1811 in Bath, gestorben 1894 in Bamberg), vormals Captain der Royal Navy. Unter den mehr als 3.000 Bänden, die im Gesamtbestand aufgingen, herrschen qualitätvoll illustrierte Werke der Weltliteratur in originalsprachlichen Einzelausgaben vor, darunter zahlreiche rare Erstdrucke, vielfach in goldverzierten Einbänden aus England und Frankreich.

 

Bibliotheken anderer Institutionen

Neben den genannten eigenen Beständen verwahrt die Staatsbibliothek auch die Sammlungen anderer Institutionen als Deposita und stellt sie der Benutzung zur Verfügung. Dazu gehören neben der Bücher-, Handschriften- und Graphiksammlung des Historischen Vereins Bamberg vor allem die Bibliotheken der Naturforschenden Gesellschaft, des Kunstvereins, der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft und des Frankenbundes.

   

Erwerbungsschwerpunkte heute

Stammbuchblatt mit Rose. Aquarell von Maria Sibylla Merian, Nürnberg 1675 (I R 90).

Die Staatsbibliothek mehrt ihre historisch gewachsenen Bestände laufend durch den Erwerb neuer Literatur – jährlich rund 7.000 Einheiten. Dies erfolgt in enger Abstimmung mit der Universitätsbibliothek Bamberg, mit der seit 1975 ein Kooperationsabkommen besteht.

Schwerpunkte der Neuerwerbungen durch die Staatsbibliothek bilden neben fächerübergreifender Literatur insbesondere folgende Bereiche:

  • Buch- und Bibliothekswesen,
  • Handschriftenkunde,
  • Geschichte Bambergs und (Ober-)Frankens,
  • Kunstgeschichte,
  • Musikwissenschaften,
  • E.T.A. Hoffmann,
  • Totentanzliteratur.


 Darüber hinaus erwirbt die Staatsbibliothek antiquarisch Handschriften, alte Drucke und Graphiken zur Ergänzung ihrer historischen Sondersammlungen, dabei mit Schwerpunkt auf Bamberg, Oberfranken, E.T.A. Hoffmann, Stammbüchern und Emblembüchern.